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Vorgestellt: Der historische Triebwagen

Das Ferkeltaxi-Gespann der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde e.V.

Die Leicht-Verbrennungs-Triebwagen (LVT) – im Volksmund auch „Schienenbus“ genannt wurden von der damaligen Deutschen Reichsbahn (DR) in den 60er Jahren zur Rationalisierung und Beschleunigung des Reiseverkehrs auf den diesbezüglich recht unwirtschaftlichen Nebenstrecken beschafft. Zu jedem Motorwagen gehörte je nach Bauserie auch ein Bei- (LVB) bzw. Steuerwagen (LVS) – letzterer ermöglichte durch die Fernsteuerung des LVT den Fahrtrichtungswechsel ohne Rangieraufwand.

Die eingebauten Dieselmotoren aus DDR-Produktion leisteten 180 bzw. 220 PS, die Leistung wurde mittels eines Elektro-Schaltgetriebes übertragen und die Höchstgeschwindigkeit betrug 90 km/h.

Die Fahrzeuge bewährten sich und erfüllten die ihnen zugedachten Aufgaben zuverlässig.

Um den nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR auf vielen auch einst gut genutzten Linien stark zurückgegangenen Reiseverkehr noch vor der Beschaffung einer neuen Fahrzeuggeneration wirtschaftlicher betreiben zu können, entschloss man sich in den 90er Jahren die sehr sparsamen Fahrzeuge umfassend zu modernisieren.

Erst Ende 2003 schieden die letzten Triebwagen der Baureihe 772 aus dem Plandienst bei der DB AG aus. Eine gewisse Anzahl konnte noch nach Kuba, Rumänien und Spanien verkauft werden.

Nachdem es bereits seit Anfang der 90er Jahre diesbezügliche Bemühungen gab, konnten die Ostsächsischen Eisenbahndfreunde e.V. im Mai 2004 eine LVT-Einheit, bestehend aus Motorwagen 772 413-1 und Steuer- wagen 972 502-0 kaufen.

Der Motorwagen wurde mit der Fabriknummer 11 im Jahr 1965 im VEB Waggonbau Bautzen gebaut. Die Bezeichnung bei der Deutschen Reichsbahn lautete zunächst VT 2.09.113, ab 1970 172 013-5 und nach der Modernisierung 772 413-1. Im Laufe der Zeit an verschiedenen Orten beheimatet, kam er letztmalig vom DB Regio-Werk Leipzig Süd aus am 30.12.2002 planmäßig zum Einsatz.

Der Steuerwagen wurde vom VEB Waggonbau Görlitz gebaut. Seine Indienststellung erfolgte als VS 2.08.234 bei der DR. Nach 1970 wurde er als 172 734-6 bezeichnet. Da „sein“ Motorwagen (172 134-9) in Folge eines Unfalls ausgemustert werden musste, und dem zu modernisierenden 172 002-8 aus ähnlichem Grund der Steuerwagen fehlte, kam es zur Umzeichnung in 972 502-0.

Vom 22.11.1994 bis zum 28.04.1995 erfolgte im Werk Halle der große Umbau. In dessen Rahmen erhielt der Motorwagen einen neuen MAN–Motor mit 162 kW und ein Voith-DIWA-Automatikgetriebe nebst den entsprechenden Bedien- und Überwachungseinrichtungen sowie Funk- und Zugbeeinflussungseinrichtungen. Bei beiden Fahrzeugen wurden die Inneneinrichtung überholt und Führerstandsabtrennungen eingebaut sowie eine Lackierung in den damals üblichen DB Regio-Farben Lichtgrau-Mintgrün-Türkis vorgenommen.

Den o. g. Daten ist zu entnehmen, dass das „LVT-Gespann“ der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde ursprünglich in beiden Waggonbauwerken unserer Region entstanden ist und somit deren reiche Tradition repräsentiert.

Am 12. Juni erfolgte die Überführungsfahrt von Leipzig nach Löbau ohne Probleme. Nach einjähriger Aufarbeitung konnte die Schienenbuseinheit ab dem 11. April 2005 für viele Sonderfahrten des Vereins eingesetzt werden. Bei zahlreichen Fahrten konnte er seine Tauglichkeit unter Beweis stellen. Neben vielen Fahrten auf dem Kohlebahnnetz von Vattenfall gab es Einsätze zum Mühlentag nach Niedercunnersdorf, zum Heizhausfest nach Chemnitz oder zur Messe Modell-Hobby-Spiel nach Leipzig.

Einer der Höhepunkte war sicherlich der Ausflug nach Fürth im September 2007. Dabei waren Fahrten durch das Zwickauer Stadtgebiet, aber auch der Einsatz als „S-Bahn“ zwischen Nürnberg-Nordost und Fürth zu erleben. Im April 2012 durfte er sogar bis nach Altenberg „hinaufklettern“.

Im April 2013 stand nach achtjähriger Einsatzzeit eine gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung an, welche von Oktober 2013 bis zum April 2014 unter Eigenregie des Vereins durchgeführt wurde.

Seit dem 9. April 2014 steht den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden e.V. das Schienengespann wieder zur Verfügung. Als Seenlandbahn fuhr der historische Triebwagen erstmals im Sommer 2014 von Dresden für fünf Tagesfahrten in das Lausitzer Seenland. Auch im Sommer 2015 startet die Seenlandbahn zu sechs abwechslungsreichen Ausflugsfahrten in die neue Urlaubsregion. Einsteigen bitte!

Zum Tourenprogramm der Seenlandbahn 2015